Für das Jura-Staatsexamen planst du am besten 12 bis 18 Monate ein, abhängig von deinem Stand, deinem Bundesland und davon, ob du nebenher arbeitest. Der Plan hat immer dieselben vier Phasen: Stoff wiederholen, Klausuren schreiben, unter Examensbedingungen üben, die Endphase mit mündlicher Prüfung. Das Wichtigste dabei ist der Rhythmus. Ab dem Moment, in dem die Grundlagen stehen, schreibst du jede Woche mindestens eine Klausur und arbeitest sie sauber nach. Ob du dazu ein kommerzielles Repetitorium nimmst oder dich selbst organisierst, ist zweitrangig.
Unten findest du die Prüfungsstruktur im Überblick, einen Vergleich von 12 und 18 Monaten, den Unterschied zwischen Rep und Eigenrepetitorium, einen Wochenplan, den Umgang mit Klausurenkursen und Karteikarten und was du tust, wenn du hinter dem Plan liegst. Konkrete Fristen, Klausurzahlen und Freiversuchsregeln unterscheiden sich je nach Land. Die stehen im Juristenausbildungsgesetz oder in der Ausbildungs- und Prüfungsordnung deines Landes und beim Landesjustizprüfungsamt. Hier bekommst du das Gerüst, das überall funktioniert.
Wie ist die Erste Prüfung aufgebaut?
Die erste juristische Prüfung besteht aus zwei Teilen. Das ist bundesweit gleich geregelt, die Details legen die Länder fest.
| Teil | Wer prüft | Was dazugehört | Gewicht in der Gesamtnote |
|---|---|---|---|
| Pflichtfachprüfung (Staatsteil) | das Landesjustizprüfungsamt | mehrstündige Aufsichtsarbeiten in Zivilrecht, Strafrecht und Öffentlichem Recht, dazu eine mündliche Prüfung | etwa 70 Prozent |
| Schwerpunktbereichsprüfung | deine Universität | je nach Uni Hausarbeit, Klausuren und mündliche Prüfung im gewählten Schwerpunkt | etwa 30 Prozent |
Wichtig für die Planung:
- Für den Staatsteil brauchst du einen Lernplan wie diesen. Den Schwerpunkt legst du je nach Uni vorher, parallel oder danach ab.
- Prüfungsstoff ist nicht nur das materielle Recht. Dazu gehören auch das Verfahrensrecht (zum Beispiel Zivilprozessrecht, Strafprozessrecht, Verwaltungsprozessrecht), Grundzüge des Europarechts und rechtsphilosophische Grundlagen. Wie hoch deren Gewicht ist, steht in der Prüfungsordnung deines Landes.
- Die Aufsichtsarbeiten dauern meist fünf Stunden. Es reicht also nicht, den Stoff zu wissen. Du musst ihn in einem Gutachten unter Zeitdruck aufs Papier bringen.
- Die meisten Länder kennen einen Freiversuch und die Möglichkeit, eine bestandene Prüfung zur Notenverbesserung zu wiederholen. Die Voraussetzungen und Fristen unterscheiden sich stark. Lies sie früh nach, weil sie deine Zeitplanung bestimmen.
12 oder 18 Monate: Was passt zu dir?
Beide Längen sind verbreitet. Keine der beiden ist die bessere. Entscheidend sind drei Dinge: wie viel Stoff aus den Semestern noch sitzt, wie viele Stunden pro Tag du wirklich lernen kannst und wie schnell du Klausuren schreibst und auswertest.
| Kriterium | Eher 12 Monate | Eher 18 Monate |
|---|---|---|
| Stand zu Beginn | Grundlagen in allen drei Rechtsgebieten sitzen | Lücken in einem oder mehreren Gebieten |
| Lernzeit | Vollzeit, 6 bis 8 Stunden Lernzeit sind realistisch | Nebenjob, Kind oder Pflege, weniger Stunden pro Tag |
| Tempo | Du arbeitest zügig und schreibst früh Klausuren | Du brauchst Zeit, um Stoff zu verstehen statt zu lernen |
| Risiko | Wenig Puffer, jeder Ausfall wiegt schwer | Gefahr, dass sich die Phasen strecken und der Druck fehlt |
Rechne rückwärts vom Prüfungstermin und plane ein bis zwei Monate Puffer für Krankheit, Verschiebungen und schlechte Phasen ein.
Wichtiger als die Länge ist die Zahl der geschriebenen und nachbereiteten Klausuren.
Rep oder Eigenrepetitorium?
Du hast im Wesentlichen drei Wege, und oft kombinierst du sie.
| Weg | Was du bekommst | Was du selbst tun musst |
|---|---|---|
| Kommerzielles Repetitorium | feste Struktur, Skripte, Dozenten, oft Klausurenkurs und Probeexamen | den Stoff nach dem Unterricht aktiv verarbeiten, die Klausuren selbst nachbereiten |
| Universitäres Angebot | Wiederholungskurse und Klausurenkurse der Uni, meist günstiger oder kostenlos | den Rest selbst organisieren, die Angebote sind oft nicht lückenlos |
| Eigenrepetitorium | volle Freiheit beim Tempo und bei den Themen | Plan, Material, Disziplin und Klausurenkontrolle selbst stemmen |
Kommerzielle Reps kosten insgesamt oft mehrere tausend Euro. Preise und Leistungen unterscheiden sich stark, vergleiche also mehrere Anbieter und frag Leute aus dem Jahrgang über dir. Ein Rep ersetzt den Lernplan nicht. Viele merken erst nach Monaten, dass sie dem Unterricht folgen, aber kaum selbst Klausuren geschrieben haben.
Ein Eigenrepetitorium klappt mit fester Lerngruppe, einem guten Skript pro Rechtsgebiet und Zugang zu Klausuren mit Korrektur. Ohne Korrektur fehlt dir die wichtigste Rückmeldung. Kläre vor dem Start, wo du Klausuren schreiben und korrigieren lassen kannst: Uni-Klausurenkurs, bezahlter Klausurenkurs oder Lerngruppe.
Die vier Phasen im Überblick
Bei 12 Monaten sieht die grobe Aufteilung so aus, bei 18 Monaten dehnst du vor allem Phase 1 und 2.
| Phase | Anteil der Zeit | Ziel | Hauptarbeit |
|---|---|---|---|
| 1. Wiederholung und Aufbau | etwa 35 bis 40 Prozent | Alle Pflichtfächer einmal systematisch durchgehen | Skript oder Rep, Definitionen und Schemata, erste Klausuren |
| 2. Klausurentraining | etwa 30 bis 35 Prozent | Aufbau, Schwerpunktsetzung und Zeitgefühl | 1 bis 2 Klausuren pro Woche, ausführliche Nachbesprechung |
| 3. Probeexamen | etwa 15 bis 20 Prozent | Examensbedingungen, Ausdauer | Klausurenkurs im Examensformat, Klausuren im Block |
| 4. Endphase | letzte 4 bis 6 Wochen | Lücken schließen, mündliche Prüfung | Fehlerliste, Karteikarten, Prüfungsgespräch üben |
Das sind Richtwerte. Ist ein Rechtsgebiet deutlich schwächer, gib ihm mehr Zeit.
Phase 1: Wiederholung und Aufbau
Du gehst Zivilrecht, Strafrecht und Öffentliches Recht jeweils einmal ganz durch, nicht alles gleich tief. Prüfungsrelevant sind die Klassiker, die in Klausuren immer wiederkehren: im Zivilrecht Vertragsrecht, Schadensersatz und Sachenrecht, im Strafrecht der Allgemeine Teil und die Delikte gegen Leben, Körper und Vermögen, im Öffentlichen Recht Verfassungsrecht und Allgemeines Verwaltungsrecht.
Pro Thema gilt dieselbe Reihenfolge: Schema und Definitionen lernen, einen Fall dazu lesen, einen kurzen Fall selbst lösen. Schon jetzt schreibst du alle zwei Wochen eine Klausur, auch wenn der Stoff noch nicht sitzt. Du lernst, wie ein Aufbau aussieht, und siehst früh, wo es klemmt.
Phase 2: Klausurentraining
Hier entscheidet sich viel. Plane pro Woche mindestens eine, besser zwei volle Klausuren, abwechselnd aus den drei Rechtsgebieten. Für die Nachbereitung brauchst du mindestens so lange wie fürs Schreiben:
- Vergleiche mit der Lösungsskizze: Was habe ich übersehen, was falsch eingeordnet?
- Trage den Fehler in deine Fehlerliste ein: Aufbau, Wissenslücke, Zeit oder Streitstand.
- Lege Karteikarten für alles an, was du hättest wissen müssen.
- Lies die betroffene Stelle im Skript nach.
Wer nur schreibt und nie nachbereitet, verschenkt die Hälfte des Lerneffekts.
Phase 3: Probeexamen
Jetzt trainierst du das Examen selbst. Viele Klausurenkurse bieten ein Probeexamen an. Falls nicht, baust du es dir: drei bis sechs Klausuren an aufeinanderfolgenden Tagen, zur echten Uhrzeit, mit echter Zeit und nur den erlaubten Hilfsmitteln. Du testest damit auch, ob dein Körper das Durchhalten mitmacht.
Phase 4: Endphase und mündliche Prüfung
In den letzten vier bis sechs Wochen kommt kaum noch neuer Stoff dazu. Du arbeitest die Fehlerliste durch, wiederholst Definitionen und Schemata, schreibst einzelne Klausuren und übst die mündliche Prüfung, in der Regel ein Prüfungsgespräch, in manchen Ländern mit Kurzvortrag. Übe sie mit der Lerngruppe: Einer fragt, ein anderer antwortet frei, ohne Skript. Aktuelle Rechtsprechung und Gesetzesänderungen schaust du dir noch einmal an.
Ein Wochenplan für die Klausurenphase
So sieht eine typische Woche in Phase 2 aus, wenn du Vollzeit lernst. Pass sie an deinen Rhythmus an und behalte die Reihenfolge.
| Tag | Block |
|---|---|
| Montag | Stoff: ein Rechtsgebiet aufarbeiten, Karteikarten, Fälle lösen |
| Dienstag | Klausur schreiben (5 Stunden), danach kurze Notiz zu Fehlern |
| Mittwoch | Klausur nachbereiten, Karteikarten anlegen, Skript nachlesen |
| Donnerstag | Stoff: zweites Rechtsgebiet, Fälle lösen |
| Freitag | Zweite Klausur oder Lerngruppe: gegenseitig abfragen |
| Samstag | Wiederholung: Fehlerliste, Karteikarten, Schemata |
| Sonntag | frei |
Dazu drei Regeln:
- Ein freier Tag pro Woche ist Pflicht, nicht Kür.
- Schreibe die Klausuren zur echten Uhrzeit, nicht immer nachmittags.
- Wechsle die Rechtsgebiete ab, statt vier Wochen nur Zivilrecht zu schreiben. Das heißt Interleaving und hilft, Probleme zu erkennen statt nur Schemata abzuspulen.
Wenn du den Plan nicht von Hand bauen willst, findest du im Guide zum Lernplan erstellen eine Anleitung, und mit der Lernplan-Vorlage kannst du direkt starten. Wie ein 100-Tage-Plan für eine andere große Staatsprüfung aufgebaut ist, siehst du im M2 Lernplan und im Physikum Lernplan.
Klausurenkurs richtig nutzen
Der Klausurenkurs gibt dir die Korrektur, die du allein nicht hast. So holst du mehr heraus:
- Schreibe jede Klausur wirklich unter Prüfungsbedingungen, nicht in zwei Hälften und nicht mit Skript.
- Gib sie ab, auch wenn sie unfertig ist. Im Examen hast du auch nicht mehr Zeit. Du übst, Schwerpunkte zu setzen.
- Lies die Randbemerkungen genau. Die Fehlerart zählt mehr als die Note.
- Wiederholt sich derselbe Fehler dreimal, ist er ein Thema für den Plan, kein Zufall.
- Frag Ältere und deine Fachschaft nach Examensklausuren früherer Jahre.
Beim Schreiben zählen ein sauberer Gutachtenstil, die genaue Subsumtion unter die Definition und ein Aufbau, der die Prüfungsreihenfolge einhält. Wer Zeit verliert, lässt zuerst Nebenprobleme weg, nie den Aufbau.
Karteikarten für Definitionen und Schemata
Jura besteht zu einem großen Teil aus Definitionen, Prüfungsschemata und Streitständen. Das sind klassische Dinge für Karteikarten, weil du sie nicht verstehen, sondern sicher abrufen musst. Gute Karten haben diese Form:
- Definitionen: Vorderseite der Begriff, Rückseite die Definition in Prüfungswortlaut. Zum Beispiel jedes Tatbestandsmerkmal, das du unter Zeitdruck subsumierst.
- Schemata: Vorderseite der Anspruch oder das Delikt, Rückseite die Prüfungspunkte in Reihenfolge. Probiere auch Lückenkarten, bei denen ein Prüfungspunkt fehlt.
- Streitstände: Vorderseite die Rechtsfrage, Rückseite die Meinungen mit Kernargument und der Meinung, der du folgst. Nicht mehr als drei Sätze.
- Fehlerkarten: Aus jeder Klausur nimmst du ein bis drei Fehler und machst daraus je eine Karte.
Drei Regeln halten das Pensum klein: eine Karte, ein Gedanke, und nie Absätze aus dem Lehrbuch kopieren. Gehe die Karten täglich nach dem Prinzip der Spaced Repetition durch, 20 bis 40 Minuten reichen, und beantworte sie erst im Kopf, bevor du umdrehst. Das ist Active Recall. Mehr zu guten Karten steht in unserer Antwort Wie macht man gute Karteikarten?.
Wenn du hinter dem Plan liegst
Das passiert fast jedem und ist keine Katastrophe.
- Hol nicht alles auf einmal nach. Zwei Wochen Rückstand holst du nicht in drei Tagen auf.
- Verbrauche Puffertage und passe die Phasen an. Phase 1 darf länger dauern, Phase 3 nicht kürzer als drei Wochen werden.
- Reduziere ein Rechtsgebiet bewusst auf die Klassiker.
- Schreibe weiter Klausuren. Sie decken Lücken effizienter auf als weiteres Lesen.
- Frag das Prüfungsamt nach Fristen, Verschiebung und Freiversuch, bevor du entscheidest.
Wenn der Druck zu groß wird, hilft die Antwort zum Umgang mit Prüfungsstress. Warnsignale für Erschöpfung stehen im Eintrag zu Lern-Burnout. Ein Gespräch mit der psychologischen Beratung deiner Uni ist kein Zeichen von Schwäche.
Weitere Methoden findest du in Lerntechniken für die Prüfungsvorbereitung. Wie du die letzten Wochen mehrerer Prüfungen sortierst, steht in Klausurenphase überstehen.
So hilft dir StudyPDF im Jura-Lernplan
StudyPDF übernimmt nicht das Klausurenschreiben, aber es erleichtert das Wiederholen, Abfragen und Planen auf deinem Material.
- Lade dein Skript, deine Mitschriften und die Folien hoch, die du selbst nutzen darfst. Auch Fotos von handschriftlichen Notizen gehen. Beachte bei Rep-Skripten die Nutzungsbedingungen des Anbieters.
- StudyPDF teilt den Stoff in Themen und Konzepte auf. Daraus erstellst du Karteikarten für Definitionen und Schemata, Quizze zu einem Rechtsgebiet oder Übungsklausuren mit Fragen aus deinem Material. Die Fragen verweisen auf die Stelle, aus der sie stammen, du kannst also nachprüfen.
- Im Plan-Tab trägst du deinen Prüfungstermin und deine Lernzeit ein und bekommst einen Lernplan über deinen Stoff, mit schwachen Themen zuerst.
- Bo, der KI-Tutor, beantwortet Fragen zu deinem Material mit Quellenangabe, etwa zum Aufbau eines Schemas oder zu einem Streitstand, den du im Skript findest.
Ehrlich gesagt: Eine Gutachten-Klausur schreiben und korrigieren lassen kann StudyPDF nicht ersetzen. Die Qualität deines Aufbaus beurteilt am Ende ein Mensch, das gehört in deinen Klausurenkurs. StudyPDF ist am stärksten beim Abfragen, bei den Fehlerkarten und beim Planen. Im kostenlosen Plan sind etwa vier Materialien pro Woche drin, mehr gibt es in den bezahlten Plänen.
Häufige Fragen zum Jura-Lernplan
Wie lange sollte man fürs Staatsexamen lernen?
Die meisten planen 12 bis 18 Monate ein. Weniger reicht nur, wenn die Grundlagen in allen drei Rechtsgebieten sitzen und du Vollzeit lernen kannst. Plane außerdem ein bis zwei Monate Puffer ein.
Brauche ich ein Repetitorium?
Nein, nicht zwingend. Du brauchst Struktur, Material und vor allem Klausuren mit Korrektur. Das bekommst du im Rep, im Uni-Angebot oder mit einer festen Lerngruppe. Der Plan und das regelmäßige Klausurenschreiben sind wichtiger als der Anbieter.
Wie viele Klausuren sollte ich vor dem Examen schreiben?
Eine feste Zahl gibt es nicht. Eine gute Orientierung ist ein bis zwei Klausuren pro Woche ab Phase 2, bei 12 Monaten also grob 40 bis 70 Stück insgesamt. Wichtiger als die Zahl ist die Nachbereitung.
Reichen Karteikarten für das Examen?
Nein. Sie sichern Definitionen, Schemata und Streitstände. Das Anwenden auf einen Fall übst du nur mit Klausuren.
