Kurzzeitgedächtnis
Das Kurzzeitgedächtnis speichert eine kleine Menge an Information für kurze Zeit, etwa 15 bis 30 Sekunden, wenn du sie nicht wiederholst. Es fasst nur wenige Einheiten auf einmal, klassisch 7 plus minus 2, nach neueren Schätzungen eher 4 Einheiten. Was du behalten willst, muss ins Langzeitgedächtnis.
Im klassischen Mehrspeichermodell von Atkinson und Shiffrin (1968) fließt Information durch drei Stufen. Das sensorische Gedächtnis fängt alles für einen Augenblick auf. Worauf du achtest, gelangt ins Kurzzeitgedächtnis. Was du dort gut verarbeitest, wird im Langzeitgedächtnis gespeichert. Das Kurzzeitgedächtnis ist der Flaschenhals dazwischen.
Zwei Grenzen machen es aus. Dauer: In einem bekannten Versuch von 1959 vergaßen Menschen den Großteil einer Buchstabenfolge aus drei Buchstaben in etwa 18 Sekunden, wenn sie sie nicht wiederholen durften. Kapazität: George Miller schrieb 1956 von der magischen Zahl sieben, plus minus zwei. Spätere Arbeiten von Nelson Cowan sehen die echte Grenze eher bei 4 Einheiten, wenn man das Gruppieren verhindert.
Das Kurzzeitgedächtnis wird oft mit dem Arbeitsgedächtnis verwechselt. Das Kurzzeitgedächtnis ist der Speicherteil, es hält Dinge kurz fest. Das Arbeitsgedächtnis ist der aktive Teil, es hält und bearbeitet sie zugleich, etwa beim Kopfrechnen. Fürs Lernen bedeuten beide Grenzen dasselbe: Eine Seite nochmal zu lesen, füllt das Kurzzeitgedächtnis, und dann läuft es wieder aus. Nur Abrufen, Verknüpfen und verteiltes Wiederholen bringen es ins Langzeitgedächtnis.
| Sensorisches Gedächtnis | Kurzzeitgedächtnis | Langzeitgedächtnis | |
|---|---|---|---|
| Wie lange | Unter 1 bis etwa 3 Sekunden | Etwa 15 bis 30 Sekunden ohne Wiederholen | Minuten bis ein Leben lang |
| Wie viel | Viel, rohe Sinneseindrücke | Etwa 4 Einheiten (klassisch 7 plus minus 2) | Keine bekannte Grenze |
| Gelangt hinein durch | Die Sinne, automatisch | Aufmerksamkeit | Verarbeiten der Bedeutung, Abrufen, Wiederholen über Zeit |
| Geht verloren durch | Fast sofortiges Verblassen | Verblassen oder Verdrängen durch Neues | Interferenz, schwache Hinweisreize, fehlende Nutzung |
Ein Professor zeigt eine Herleitung mit 10 Schritten auf einer Folie und redet dazu. Bei Schritt 6 hat Mia Schritt 2 schon verloren. Ihr Kurzzeitgedächtnis ist voll. Beim nächsten Mal schreibt sie die Schritte in drei Gruppen mit je einer Überschrift und fragt sich danach die Gruppen aus dem Kopf ab. Die Einheiten passen hinein, und das Abfragen bringt sie ins Langzeitgedächtnis.
- 1Fass Information zu Einheiten zusammen, etwa 3 bis 4 Schritte unter einer Überschrift statt 10 loser Punkte.
- 2Nimm weniger auf einmal auf. Pausier die Vorlesung oder schließ die Seite nach jedem Gedanken.
- 3Schreib Dinge auf, statt sie beim Arbeiten im Kopf zu jonglieren.
- 4Gib den Gedanken innerhalb einer Minute in eigenen Worten wieder, und frag dich später am Tag nochmal ab.
- 5Wiederhole über mehrere Tage, damit es vom Kurzzeit- ins Langzeitgedächtnis wandert.